Bücher


Schon mein ganzes Leben lang begleiten mich Bücher.

Ich weiß noch, dass ich stundenlang im Arbeitszimmer des Großvaters auf dem Holzfußboden sitzen konnte und fasziniert in den alten Büchern, die mit ihren dunklen Leder - oder Pappeinbänden überall lagen und standen, herumblätterte.

Der Geruch von Büchern, ihre Anwesenheit allein, das alles hat sich tief in mein Bewusstsein eingebrannt.

Die meisten dieser Bücher existieren leider nicht mehr.

Einige wenige sind nur geblieben. Teilweise mit Randnotizen aus einer längst vergangenen Zeit.

Vielleicht ist es auch diese frühe Büchererfahrung, aus der ein lebenslanges freundschaftliches Verhältnis zum Buch entstand. Auch meine erste Berufswahl hatte dann natürlich damit zu tun, dass ich durch Bücher in die Welt hineinwirken wollte.

Ich wurde - wie Großvater übrigens auch - Drucker.

So kam es wohl auch, dass eine meiner Lieblingsmetaphern beim Nachdenken über das Leben das Buch ist.

Das Buch des Lebens.

Seine Geschichten und Kapitel schreibt das Leben selbst.

Das Leben ist die Autorin, der Autor, auch Korrektor und Verlegerin.

Wir sind demnach gleichzeitig Protagonistin oder Protagonist und auch Leser der Geschichten.

Diese Geschichten zu lesen, in denen wir selbst die wesentliche Rolle spielen, das ist nicht immer leicht.

Sie zu verstehen, das ist sogar manchmal sehr schwer, wenn nicht völlig unmöglich.

Manche der Geschichten, manche Kapitel gar, können wir vielleicht noch lesen, aber verstehen sie beim besten Willen kaum.

Diese Geschichten sind aber oft die spannendsten.

Sie einzuordnen oder vielleicht auch zu verstehen, das bleibt oft andern Menschen als uns selbst oder erst den Lesern der nächsten Generation vorbehalten.

Eine Lebensgeschichte wird manchmal tatsächlich erst etwas verständlicher, indem andere Menschen sehr genau darauf zurück blicken.

So verstehe ich beispielsweise auch - zumindest in Teilen - die Aufgabe, über die Lebensgeschichte eines Menschen beim Abschied zu reden.

Verlässt ein Mensch das Leben wieder, dann empfinde ich es als sehr wichtig, dass da jemand ist, der nochmal das Buch dieses Lebens aufschlägt und sehr genau darin liest, um davon zu erzählen.

Jedes einzelne Lebensbuch nämlich ist sehr, sehr wertvoll und hat tatsächlich die Kraft, das Lebensbuch der Zuhörerinnen und Zuhörer nachfolgend weiter mitzuschreiben.

So kann eine ganze Lebensbuchreihe, eine ganze Bibliothek von Lebensbüchern entstehen.

Nehmen wir ein Buch daraus ab - und zu mal wieder in die Hand, merken wir, dass Fragmente unseres eigenen Lebensbuches darin schon geschrieben standen, lange bevor wir anfingen selbst Protagonistin oder Leser zu werden.

Schau dich mal um in deiner Lebensbuchbibliothek. Es lohnt sich!







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